Das Chance-Risiko-Verhältnis, kurz CRV, vergleicht die mögliche Chance eines Trades mit dem vorher festgelegten Risiko. Dadurch wird sichtbar, wie weit das geplante Ziel vom Einstieg entfernt ist und welcher Verlust bis zum Stop-Loss akzeptiert wird.
Die Kennzahl hilft dabei, einen Trade vor dem Einstieg strukturierter zu betrachten. Sie sagt jedoch nicht voraus, ob das Ziel erreicht wird, und sie macht aus einem schwachen Setup keinen guten Trade. Das CRV ist deshalb eine Planungs- und Vergleichsgrösse – kein Signal und kein Gewinnversprechen.
Was bedeutet CRV im Trading?
CRV steht für Chance-Risiko-Verhältnis. Im Trading wird damit das Verhältnis zwischen einer geplanten Gewinnchance und einem definierten Verlustrisiko beschrieben. Grundlage sind in der einfachen Form drei Werte: Einstieg, Stop-Loss und Kursziel.
Bei einem Long-Trade liegt das Risiko typischerweise im Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss. Die mögliche Chance ergibt sich aus dem Abstand zwischen Einstieg und Ziel. Das Verhältnis dieser beiden Strecken ergibt das geplante CRV.
Ein CRV von 2:1 bedeutet beispielsweise: Für eine Einheit geplantes Risiko stehen rechnerisch zwei Einheiten mögliche Chance gegenüber. Diese Aussage beschreibt nur das Verhältnis. Sie enthält keine Information darüber, wie wahrscheinlich das Ziel erreicht wird.
Wie wird das CRV berechnet?
Für einen einfachen Long-Trade kann das geplante CRV mit zwei Abständen berechnet werden: mögliche Chance geteilt durch geplantes Risiko.
- Risiko: Einstieg − Stop-Loss
- Chance: Ziel − Einstieg
- CRV: Chance ÷ Risiko
Bei Short-Trades wird die Richtung der Abstände umgekehrt. Entscheidend bleibt derselbe Grundgedanke: Wie gross ist der geplante Weg bis zum Ziel im Verhältnis zum geplanten Weg bis zum Stop-Loss?
Wichtig ist, dass alle verwendeten Werte auf derselben Preisbasis beruhen. Werden beispielsweise Gebühren, Finanzierungskosten oder erwartete Slippage berücksichtigt, sollten sie konsistent in die eigene Planung einbezogen werden.
Beispiel: CRV 2:1 bei einem Long-Trade
Angenommen, ein Trade wird bei 100 geplant. Der Stop-Loss liegt bei 96 und das Ziel bei 108.
- Einstieg: 100
- Stop-Loss: 96
- Ziel: 108
- Risiko: 4
- Chance: 8
- CRV: 8 ÷ 4 = 2:1
Der Abstand zum Stop-Loss beträgt 4. Der Abstand zum Ziel beträgt 8. Daraus ergibt sich 8 ÷ 4 = 2. Das geplante CRV beträgt damit 2:1.
Bei gleichem Einstieg und Stop-Loss würde ein Ziel bei 104 nur eine mögliche Chance von 4 ergeben. Chance und Risiko wären dann gleich gross und das CRV läge bei 1:1.
Was bedeutet ein CRV von 2:1?
Ein CRV von 2:1 wird häufig verwendet, um das Verhältnis zwischen möglichem Gewinn und geplantem Verlust leicht verständlich darzustellen. Bei einem festgelegten Risiko von 1 R entspräche das Ziel rechnerisch 2 R.
Daraus folgt aber nicht, dass 2:1 automatisch gut, sinnvoll oder für jede Strategie passend ist. Ein Trade mit 2:1 kann ein unrealistisches Ziel haben. Ein Trade mit einem kleineren CRV kann dagegen Teil eines klar definierten Ansatzes mit einer anderen Trefferquote und Ausstiegslogik sein.
Die Zahl sollte deshalb nie isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, ob Stop und Ziel nachvollziehbar aus dem eigenen Plan abgeleitet wurden und ob die gleiche Logik später über mehrere vergleichbare Trades ausgewertet werden kann.
Ist ein höheres CRV automatisch besser?
Nein. Ein rechnerisch höheres CRV wirkt zwar attraktiver, kann aber leicht entstehen, wenn das Ziel unrealistisch weit entfernt oder der Stop-Loss künstlich eng gesetzt wird. Die Kennzahl verbessert sich dann auf dem Papier, obwohl der Trade dadurch nicht zwingend robuster wird.
Besonders problematisch ist es, Stop oder Ziel nur deshalb zu verändern, damit ein gewünschtes Verhältnis erscheint. Dadurch wird die Kennzahl zum Selbstzweck. Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge: Zuerst werden Entry, Stop und Ziel aus dem eigenen Setup und der geplanten Ausführung bestimmt. Danach wird das daraus resultierende CRV geprüft.
Auch Marktstruktur, Liquidität, mögliche Kurslücken, Gebühren und Slippage können dazu führen, dass das tatsächlich realisierte Verhältnis später von der Planung abweicht.
CRV und Trefferquote: Warum beide zusammengehören
CRV und Trefferquote beschreiben unterschiedliche Seiten einer Handelsserie. Das CRV sagt, wie gross ein durchschnittlich geplanter Gewinn im Verhältnis zu einem definierten Risiko sein soll. Die Trefferquote beschreibt dagegen, welcher Anteil der Trades als Gewinner endet.
Rein mathematisch hängt die Gewinnschwelle einer idealisierten Serie von beiden Grössen ab. Bei einem konstanten Gewinn von 2 R und einem konstanten Verlust von 1 R läge die rechnerische Break-even-Trefferquote ohne Gebühren und Abweichungen bei rund 33,3 Prozent. Bei 1:1 wären es 50 Prozent.
Das ist keine Zielvorgabe und keine Aussage über eine konkrete Strategie. Reale Ergebnisse enthalten unterschiedliche Gewinne und Verluste, Gebühren, Slippage, Teilverkäufe und vorzeitige Ausstiege. Deshalb lässt sich die Qualität einer Strategie nicht aus einem einzelnen CRV oder einer einzelnen Trefferquote ableiten.
Aussagekräftiger wird die Betrachtung erst über eine ausreichend grosse Zahl vergleichbarer Trades und mit einer konsistenten Dokumentation.
Geplantes CRV und realisiertes Ergebnis unterscheiden
Das geplante CRV entsteht vor dem Trade aus Entry, Stop-Loss und Ziel. Es beschreibt die Ausgangsplanung. Nach dem Trade kann das tatsächliche Ergebnis deutlich davon abweichen.
Ein früher Ausstieg, ein nachgezogener Stop, Teilverkäufe, Slippage oder Gebühren verändern das reale Ergebnis. Deshalb ist es sinnvoll, geplante und realisierte Werte getrennt zu dokumentieren.
Für die nachträgliche Auswertung wird häufig mit R-Multiples gearbeitet. Ein Ergebnis von +1,5 R bedeutet beispielsweise, dass der realisierte Gewinn dem 1,5-Fachen des zuvor definierten Risikos entspricht. Das R-Multiple beschreibt damit das tatsächlich erzielte Ergebnis relativ zum Risiko und ist nicht dasselbe wie das vor dem Trade geplante CRV.
CRV und Positionsgrösse: Zwei verschiedene Fragen
Das CRV und die Positionsgrösse werden oft gemeinsam betrachtet, beantworten aber verschiedene Fragen. Das CRV vergleicht mögliche Chance und geplantes Risiko relativ zueinander. Die Positionsgrösse bestimmt dagegen, wie viele Stücke oder Einheiten gehandelt werden und wie gross dadurch das gesamte Geldrisiko der Position wird.
Ein CRV von 2:1 bleibt rechnerisch 2:1, egal ob eine oder hundert Einheiten gehandelt werden. Das absolute Verlustrisiko verändert sich mit der Positionsgrösse jedoch erheblich.
Wer die Stückzahl aus Kontogrösse, Risikobudget, Einstieg und Stop-Loss ableiten möchte, findet die ausführliche Erklärung im Artikel zur Positionsgrösse.
Häufige Fehler beim Umgang mit dem CRV
- Ziel nur setzen, um ein gewünschtes CRV zu erreichen
- Stop-Loss künstlich enger setzen
- Gebühren oder Slippage ignorieren
- CRV ohne Setup- und Marktkontext bewerten
- geplantes und realisiertes Verhältnis verwechseln
- eine starre 2:1-Regel als allgemeingültig behandeln
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, ein bestimmtes CRV als allgemeingültige Qualitätsgrenze zu behandeln. Aussagen wie „unter 2:1 ist ein Trade schlecht“ greifen zu kurz, weil unterschiedliche Strategien, Trefferquoten und Ausstiegsregeln unterschiedliche Verteilungen erzeugen können.
Ebenso wenig sollte ein Kursziel nur so weit verschoben werden, bis die gewünschte Zahl erscheint. Ein sauber dokumentiertes, realistisch hergeleitetes CRV ist hilfreicher als ein optisch attraktiver Wert ohne Bezug zum eigentlichen Setup.
CRV im SupraFlux Risk Center prüfen
Im SupraFlux Risk Center steht ein einfacher Mini-CRV-Check zur Verfügung. Dort können Einstieg, Stop-Loss und Take-Profit eingegeben werden. Das Tool berechnet daraus das Verhältnis von möglicher Chance zu geplantem Risiko.
Der Rechner ist bewusst als Light-Tool aufgebaut und speichert keine vollständige Trading-Historie. Er eignet sich deshalb für eine schnelle Beispielrechnung und zum Nachvollziehen des Grundprinzips.
CRV dokumentieren und später auswerten
Für die langfristige Auswertung ist nicht nur das geplante CRV interessant, sondern auch, was tatsächlich umgesetzt wurde. Werden geplantes Verhältnis, Ergebnis, Regelabweichungen und Review gemeinsam dokumentiert, lassen sich Unterschiede zwischen Planung und Ausführung später besser erkennen.
Im Supra Journal V1 wird das geplante CRV deshalb zusammen mit weiteren Trade-Daten und Reviews verwendet. Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne Zahl, sondern die Vergleichbarkeit vieler dokumentierter Entscheidungen.
Häufige Fragen zum CRV im Trading
Was ist das CRV beim Trading?
Das CRV ist das Verhältnis zwischen möglicher Chance bis zum geplanten Ziel und dem Risiko bis zum Stop-Loss.
Wie berechnet man das CRV?
Bei einem Long-Trade wird die mögliche Chance vom Einstieg bis zum Ziel durch das Risiko vom Einstieg bis zum Stop-Loss geteilt.
Was bedeutet ein CRV von 2:1?
Es bedeutet, dass zwei Einheiten mögliche Chance einer Einheit geplantem Risiko gegenüberstehen.
Ist ein CRV von 2:1 immer gut?
Nein. Die Zahl bewertet weder die Qualität des Setups noch die Wahrscheinlichkeit, dass das Ziel erreicht wird.
Ist ein höheres CRV immer besser?
Nein. Ein unrealistisches Ziel oder ein künstlich enger Stop kann ein hohes CRV erzeugen, ohne den Trade sinnvoller zu machen.
Was ist der Unterschied zwischen CRV und R-Multiple?
Das geplante CRV beschreibt die Ausgangsplanung. Ein R-Multiple kann später ausdrücken, wie gross das tatsächlich realisierte Ergebnis im Verhältnis zum ursprünglich definierten Risiko war.
Was hat die Positionsgrösse mit dem CRV zu tun?
Das CRV beschreibt ein relatives Verhältnis. Die Positionsgrösse bestimmt, wie gross das gesamte Geldrisiko einer Position wird.
Wo kann ich das CRV bei SupraFlux berechnen?
Im Risk Center steht ein kostenloser Mini-CRV-Check für Entry, Stop-Loss und Take-Profit zur Verfügung.
Fazit
Das Chance-Risiko-Verhältnis macht sichtbar, welche mögliche Chance einem vorher definierten Risiko gegenübersteht. Dafür werden Einstieg, Stop-Loss und Ziel in ein einfaches Verhältnis gesetzt.
Ein höheres CRV ist nicht automatisch besser, und ein bestimmter Mindestwert ist keine allgemeingültige Regel. Sinnvoll wird die Kennzahl erst, wenn Stop und Ziel nachvollziehbar geplant, die Positionsgrösse separat kontrolliert und die Ergebnisse später über mehrere Trades ausgewertet werden.
Das CRV ist damit kein Signal und kein Gewinnversprechen, sondern ein Werkzeug für Planung, Risikoverständnis und Review.
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Weiterbildung. Sie enthalten keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen und ersetzen keine persönliche Anlage-, Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung.